Der Liedermacher Gerhard Gundermann stellte bei einem Livekonzert die Frage, ob Politik möglicherweise die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln sei. Zumindest bei dem Thema Preisgestaltung scheint die These durchaus denkbar.

Wenn der zu hohe Marktpreis eines Produktes zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führt, muss dieser – nach außen hin – gesenkt werden. Dann werden Kostenfaktoren aufgesplittet, versteckt oder auf essenzielles Zubehör drauf geschlagen. Und nicht anders läuft es in der kleinen Welt der Politik. Schon heute ist der Individualverkehr ein Luxusgut und die Einnahmen aus KFZ- und Kraftstoffsteuer sind eine feste Größe im staatlichen Haushalt. Das ist der offizielle Preis. Hinzu kommen nun die Einnahmen aus dem Verkauf des Zubehörs: falsch parken, zu schnelles fahren, nicht angeschnallt fahren und einiges mehr. Oberflächlich betrachtet scheinen dies richtige Regelungen zu sein, die der allgemeinen Sicherheit dienen. Wer allerdings recherchiert, welchen festen Platz eben auch diese Kosten in den kommunalen Haushaltsplänen haben, fängt an zu zweifeln.

Nicht selten kommt es vor, dass gerade Parkverbotsschilder nur durch vorheriges Informieren bei der entsprechenden Verkehrsbehörde auffindbar sind oder so hoch montiert wurden, dass ihnen, zur Warnung des Linienflugverkehrs, eigentlich ein rotes Licht anhaften müsste.

So ähnlich kalkuliert auch die Hansestadt Greifswald mit der Tatsache, dass man irgendwann – spätestens wenn es mit dem Treibstoff zu ende geht – zwangsläufig anhalten muss. Neben Potsdam ist Greifswald eine der Städte, in der stehen immer teurer ist als fahren.

Nun mag die Unterstellung, dass Schilder beabsichtigt falsch aufgestellt werden sehr boshaft klingen. Ein Akt des Trotzes. Die Polemik des gedemütigten Parksünders. Nein, das möchte ich der ehrwürdigen Stadt Greifswald, die Universitäts- und Hansetitel trägt, nicht unterstellen.

Doch selbst sorgfältiges spähen und scouten bewahrte mich im September des Jahres 2007 nicht vor der Parksteuer Parkstrafe. Wenn das Schild am Abend jedoch nicht auffindbar war und ich am nächsten Morgen, verschlafen aus dem hinteren Teil des Busses durch die Windschutzscheibe blickend, doch meine Quittung für rüpelhaftes parken hinter dem Scheibenwischer vorfand konnte es dafür nur zwei Erklärungen geben: Das Schild wurde gewinnorientiert aufgestellt oder jemand hatte mein Auto des Nachts heimlich in’s Parkverbot buchsiert. Ersteres ist einer Universitäts- und Hansestadt nicht zuzutrauen. Das ist klar. Und langsam dämmerte es mir. Am Tag zuvor hatte ich in einem Kramladen einen kleinen Gartenzwerg erstanden. In unserer Urlaubsstimmung hatten wir den kleinen Kerl, der sich uns für 2,50 EUR anbot, als Schutzpatron auserkoren. Doch offensichtlich war der Zwerg von der Sorte Kobold und hatte allerhand Schabernack im Sinn. Und die erste Gelegenheit dazu, bot sich Ihm im Schutze der Nacht. Das schien plausibel und ich erachtete es, der Wahrheit verpflichtet, als eine Selbstverständlichkeit, dem Ordnungsamt Greifswald die Wahrheit mitzuteilen. Eine Universitäts- und Hansestadt, das versteht sich, belügt man nicht.

Strafe muss sein, und so fasste ich schweren Herzens den Entschluss, den frechen Kerl auszuliefern und damit in eine ungewisse Zukunft zu entlassen.

Pünktlich zwei Wochen später bekam ich einen Brief in dem ich gebeten wurde Ablass zu leisten, und mit einer festgelegten Zahlung an die Stadtkasse der Stadt Greifswald (Universitäts- UND Hansestadt!) meine Seele rein zu waschen. So sehr ich die Notwendigkeit einer milden Spende für eine Universitäts- UND Hansestadt in Mecklenburg Vorpommern auch einsah, räumte ich der Wahrheit noch immer einen höheren Stellenwert ein.

Ein letztes mal winken und der Kobold wurde, weich verpackt, in einem Päckchen verstaut. Auf dem mir zugestellten Formular machte ich die entsprechenden Angaben. Ich gab den Fahrer an, und wies darauf hin, dass der Lieferumfang den Täter enthielt.

4 Monate lang geschah nichts. Ich war mich sicher, dass der Kobold meinen ihm mit auf den Weg gegebenen Rat befolgt und die Aussage verweigert hatte.

Doch im fünften Monat erhielt ich erneut Post. Man erklärte mir nun, dass trotz intensiver Bemühungen der Fahrer nicht ermittelt werden konnte. Nun müsse man mich als Fahrzeughalter in die Pflicht nehmen. Seit dem weiß ich nicht mehr, woran ich noch glauben soll. Hat der Zwerg geredet? Konnte er aus dem Postgewahrsam entkommen? Hat er möglicherweise eine widersprüchliche Geschichte zu Protokoll gegeben?

Ich wurde sehr nachdenklich, denn ich hatte hiermit einen Präzedenzfall geschaffen. Da man weder Städten noch Kommunen die Boshaftigkeit unterstellen mag, dass Schilder zum Zweck der Stabilisierung des Finanzhaushaltes aufgestellt werden treiben sehr offensichtlich viele Kobolde und Zwerge Ihr Unwesen im deutschen Straßenverkehr. Und was das bedeutet, kennt jeder, der sich den Luxus des Autofahrens noch gönnt aus eigener Erfahrung.