Eine Parodie. Aber auf was?

Der Müggelsee. Still ruht er, als der Bademeister (Michael Gwisdek) bis zur Hüfte ins Wasser watet und seinen Arm hinein hält um die Temperatur zu testen. Als er diesen plötzlich nur noch zur Hälfte hinaus zieht und noch während das Blut spritzt trocken kommentiert: „Wat isn ditte“ – glaubt man, gerade den Anfang eines Films gesehen zu haben der nach einem gelungenen Intro so richtig los geht.
Je näher der Abspann rückt, desto bewusster wird einem jedoch, dass man mit dieser Szene bereits den Höhepunkt an Spannung, Überraschung und Witz hinter sich gelassen hat.

Im weiteren Verlauf erzählt der Film die Geschichte von Haifänger Snake Müller (Uwe Dag Berlin) der, weil er vom Haie Fangen genug hat und seine selbst gebastelte Greencard sowieso abgelaufen ist von Hawaii zum Müggelsee schippert. Dort trifft er auf ein aufgeregtes Ensemble aus Bürgermeister (Henry Hübchen), Polizist (Detlev Buck), Bademeister, Stadtmarketingexpertin (Anna-Maria Hirsch) und Fischforscher (Tom Schilling) die vor einem Problem stehen, für das Snake Müller gerade recht kommt: ein Hai im Müggelsee. Eine Idee mit Potenzial eigentlich. Und gerade Detlef Buck als spröder Polizist und Henry Hübchen als schnottriger Bürgermeister passen in das Szenario aus Friedrichshagener Lokalkolorit und den überspitzen Komplexen der Verwaltung eines kleinen Berliner Ortsteils. Doch so richtig will das ganze nie in Fahrt kommen. Vielleicht liegt es daran, dass einzelne Charaktere so unnötig überstrapaziert wurden. Wir wissen ja, dass MarketingecpertInnen meist knapp bekleidet, etwas dümmlich und in einer eigenartigen Sprache Ihren Job verrichten. Wir wissen auch, dass die „reichen Männer“ (Benno Fürmann als „reicher Mann“) sonnenbebrillt und Anzug tragend witzig-fiese Sprüche reißen. Aber amüsiert uns das? Eher nicht. Nicht mal, wenn es Trash sein soll. Genau so wenig wie der Zickenkrieg zwischen Snakes Exfrau und Marketing Expertin Vera die sich gegenseitig (und immer, immer wieder) als „Nutte“ und „Schlampe“ beschimpfen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Pointen konsequent ausgespart wurden und viele Szenen einfach so enden, während sich die Regisseure wahrscheinlich heimlich amüsieren. Meistens übrigens auch nicht ganz so heimlich: Regener und Hausmann haben sich selbst mehrere kleine Nebenrollen in den Film geschrieben – mal als Taucher, Dekonterminationsexperten oder Kreuzberger Punks drängen Sie sich ins Bild – und immer ist klar: wären die beiden nicht die Chefs hätte es diese Szenen wohl nie gegeben. Einzig, wenn beide immer mal wieder als Gitarre spielende Polizisten zumeist Regener Songs interpretieren kommt für einen Moment das Gefühl auf, das man von vergangenen Co-Ops wie „Herr Lehmann“ oder „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ (Soundtrack: Sven Regener) gewöhnt ist.

Sicher, es ist ein Konzept des Trashkinos die gängigen Konventionen von Dramaturgie und Storyline zu ignorieren. Die Absurdität einzelner Momente, zur Schau gestellte Unbeholfenheit und eine augenzwinkernde „wir lassen das jetzt einfach so“-Einstellung sind nicht selten die Aspekte, die den Trashfilm auf einer ebenso unkonventionellen Ebene liebenswert und durchaus lustig machen.
Nun sind die Regisseure Regener und Hausmann vielleicht derart progressiv coole Typen, dass sie – völlig bewusst – auch hier mit allem brechen, das jemals irgendwie funktioniert hat. Im Verlauf des Films festigt sich jedoch eher der Eindruck, als hätten beide beschlossen einen Haufen bierseliger Insidergags mit einigen Freunden zu verfilmen. In der Hoffnung, wenn einer lacht, tun es ihm die anderen schon nach.

Als Zuschauer fällt einem schon auf, dass die Beteiligten viel Spaß haben. Man fragt sich nur fortwährend warum man daran nicht teilhaben darf.