Marissa Meyer (Quelle: Wikipedia)

Vor ca. einem Jahr war es auf den ersten Blick schon eine kleine Überraschung: GoogleMaps Chefin Marissa Meyer wechselt zu Yahoo. Auf den zweiten Blick schien die Entscheidung schon logischer. Bei Google ging es nur weiter – bei Yahoo gibt es noch richtig was zu tun. War Yahoo in den 90er Jahren noch einer der Inbegriffe des Internets, so lebt das Unternehmen inzwischen hauptsächlich von der damaligen Markenbekanntheit. Als sich Suchergebnisse in den späteren 90er Jahren nicht mehr von Redakteuren verwalten ließen und überladene Portalseiten aus der Mode kamen verlor Yahoo rapide den Anschluss. Eigene Innovationen blieben aus und die Yahoo-Webseite verkam zunehmend zu einer paid content Plattform. Zwischenzeitlich gab es Erneuerungsversuche wie den Zukauf der Fotoplattform Flickr. Geändert hat dies am Grundproblem jedoch wenig.

Vor ziemlich genau einem Jahr kam nun Marissa Meyer zu Yahoo – und verlässt ihren bisherigen Arbeitgeber Google einen der größten Konkurrenten.

Ein Jahr ist Meyer inzwischen Vorsitzenden der Yahoo-Geschäftsführung. Die Portalseite mit all den überladenen Angeboten ist immernoch da. Aber hinter den Kulissen ist in knappen 12 Monaten viel passiert.

Als erste Amtshandlung holte Meyer die Mitarbeiter vom Homeoffice zurück ins Büro um das Team wieder dichter zusammen zu bringen. Die Relevanz des E-Maildienstes, der im Desktop-Bereich mit weltweit 4% nur knapp hinter GMail (5%) liegt wurde gewürdigt: E-Mailinhalte werden nun analysiert. Content basierte Werbung á la Google dürfte die logische Konsequenz sein. Der nächste Paukenschlag war die Übernahme der Blog-Plattform Tumblr. Ganze 1,1 Milliarden gab Yahoo aus. Auch hier lässt die Strategie durchaus Parallelen zu Meyers ehemaligen Arbeitgeber Google erkennen: Zukäufe erfolgreicher StartUps bescheren der Marke bestehende Nutzer und angesagte Features.

Aber Yahoo ist nicht Google. Bereits Flickr wird von der Allgemeinheit nicht unbedingt als Yahoo-Produkt wahrgenommen. Das ist ein Problem für Yahoo. Ob sich das mit Tumblr anders gestalten lässt, wird sich zeigen. Denn auch Tumblr ist durchaus eine Buzzword-Marke bei der nicht zuletzt der Name im Vordergrund steht.

Sicher, von der Nutzerbasis wird Yahoo profitieren – doch dafür muss es langfristig gelingen den Geist des Dienstes fortleben zu lassen. Auch das ist keine leichte Aufgabe, denn Tumblr ist bisweilen auch als Plattform für Inhalte bekannt die große Unternehmen unter Ihrer Flagge eher ungern sehen: besonders pornografische und urheberrechtlich geschützte Inhalte dürften hier ein Problem darstellen. Jene, die zu den mitunter beliebtesten im Netz gehören. Das Restringieren der Inhalte könnte dem Reiz der Plattform schaden.

Mit dem bloßen Zukauf ist es für Meyer also bei weitem nicht getan. Langfristig muss die Marke Yahoo selbst gestärkt und von außen als modernes Unternehmen wahrgenommen werden. Anders als bei Google gilt es nicht das Markenimage zu wahren, sondern es im Grunde komplett neu aufzubauen.

Spannend wird das allemal. Und dass die Aufgabe für Marissa Meyer mehr als ein Job ist – das hat sie bereits gezeigt. Und vielleicht verschwindet auch irgendwann die nostalgische Yahoo-Portalseite mit der zumindest ich den Namen Yahoo bis heute am stärksten verbinde.