Am Donnerstag ist bei mir immer schlecht. Da bin ich meistens mit #Sigmar Gabriel einen saufen. Er muss – dafür dass ich die Abende nicht poste – jeden Donnerstag mit mir saufen gehen. Eine kleine Erpressung zwar, aber „die sei ihm immer noch die Liebste“, wie er sagt.

Letztens sagte er: „Du, wenn ich heute nicht mit dir saufen müsste, ich wäre trotzdem gekommen“. Ich sag Siggi, du hättest heute nicht kommen müssen – es ist Dienstag. Oh, na gut sagte er aber das sei schon ok, er würde am Donnerstag auch nochmal kommen. Gründe gäbe es ja genug. „Ok“ sage ich – ist schon in Ordnung. Nach dem mir die Claudia heute schon abgesagt hat. In letzter Zeit soll ich ständig „Es nicht einfach grün zu sein“ auf der Gitarre spielen. Claudia, sage ich dann – das ist von Kermit dem Frosch. „Egal, spiel, spiel..“ Und dann kommt die Geschichte, dass sie wirklich ganz freiwillig gegangen sei“. Es nervt ein bisschen. Naja, also Siggi. Dann wir beide heut Abend. „Wie isses“ sag ich und nehme einen kräftigen Schluck.
„Scheiße.“ beginnt Siggi. „Das sagst du immer. Aber wie scheiße ist es denn diesmal“. „Der Mehdorn hat mir heute die neue Winter-Strategie der #Bahn erklärt. Noch fragen?“ sagt Siggi genervt. „Mehdorn? Du meinst doch sicher seinen Namenlosen Nachfolger – Loch oder so, oder?“ „Nein, der Hartmut. Seit er nicht mehr Bahnchef ist, sondern BBI-Chef kann er zumindest zum Thema Bahn nun echte Auskünfte geben. Jedenfalls nennen die das Kommunikationskonzept. Ist in einer Kreativwerkstatt mit Studenten beim brainstormen entstanden: Durch den Totalausfall der Bahn in den letzten Wintern wird in diesem Jahr niemand mehr was anderes erwarten. Und jeder tatsächlich fahrende Zug ist dann Grund zu völlig unerwarteter Freude. Das ließe sich ohne Umstrukturierungen so umsetzen.“ „Das ist es?“ – staune ich? „Genial einfach. Und da sage jemand die Bahn arbeite nicht effizient“. „Wir erwarten alle zu viel“ – ein guter Slogan für die Bahn sinniere ich beim Blick auf den Grund meines Bierglases.

Und sonst Siggi – wie war Leipzig. „Scheiße“, sagt Siggi wieder und nimmt zwischendurch einen Kurzen. „Dieser Stress mit der Andrea in letzter Zeit ist unerträglich“. Siggi, sage ich: „Der Andrea“? – „Hast du schon mal gesehen was sie in Jugendzentren mit Kindern machen sie nicht gendern? Dafür müssen Achtjährige ihre Pisse trinken“. Ja ja sagt Siggi und hebt sein Glas – „Die Andrea“ hat sich so gefreut als sie in Leipzig zu mir kam und meinte “Du Siggi, 67% finden mich toll.“ Und ich sage Nein du – denk mal an die Alternative. Ein Drittel hätte lieber überhaupt keine Generalsekretärin als dich. Und dann hat ihr jetzt auch jemand gesteckt, dass der Wahlkampf scheiße war. Der Peer hat noch gesagt: „Leute wenn ihr das Tor öffnet bevor ich die Jauchegrube zu hab, dann stinkt das“ (Alte Bauernweisheit aus dem Norden). Da hatte Andrea die Klinke schon in der Hand. Jetzt ist alles kaputt. Ich nehm noch einen. Vom Faß. Groß. Danke.
Weißt du Siggi, dieser Quatsch jetzt plötzlich – wir können uns jede Koalition vorstellen. Damit hättet ihr mal früher um die Ecke kommen können. Der Peer wäre jetzt Kanzler, Andrea total beliebt, du – naja – und ihr hättet eine Partei im Sack von der ihr eh die Hälfte abgeschrieben habt. “Ach man, der Peer hatte schon versprochen, dass wir das nicht machen. Wie hätte das denn ausgesehen“ seufzt Siggi und schaut in sein leeres Glas. Wie – frag ich: DA hat euer Steinbrück-Fettnapfalarm angeschlagen? Das hättet ihr doch im Steinfails-Gebirge locker noch anpflanzen können. Da wären ein paar zusätzliche Nelken doch keinem aufgefallen.

Siggi stockt und wird plötzlich unprofessionell. „SED…“ sagt Siggi und ich lache. Immer wenn Siggi „SED“ sagt muss er die nächste Runde schmeißen. Auf diese Weise wird man mit SPD Genossen für kleines Geld blau. „Also im Ernst“, sagt er aufgeräumt. Wenn ich der Angela sage: „Mindestlohn – da machen wir n 10ner, wa“ – da lacht sie dann und sagt… „Die Feierabendrunde geht auf mich“. Dann lache ich auch und wir gehen einen saufen. „Und Gysi würde nicht saufen?“ frage ich erstaunt. „… aber nicht lachen“ sagt Siggi angefressen.
„White Russian für ihn. Geht auf mich“, sagt Siggi. Damit kriegt er mich für fünf Minuten zum schweigen.

„Hast du gehört, dass die FDP Hunde schlachten will um ihren liberalen Standpunkt zu unterstreichen?“ sage ich noch während ich den letzten Kaluha vom Boden des Glases schlürfe. „Das ist doch wieder eine ironische Überspitzung in dem total übertriebenen Text den du heute Nacht noch im Suff schreibst.“ sagt Siggi. Aber nein sage ich – „kleine süße Pfiffis – hat der Kubicki gesagt“. Konsequent Liberal – is ne Idee vom Nachwuchs. Google nach „Hundeschlachtung FDP“ – da wirst du schon sehen: die tun was um ihre Werte zu verteidigen. Und ihr? „Hör auf. Das sind jetzt schon wieder weniger als 90% Zustimmung heute Abend“, sagt Siggi und hält sich am Tresen fest. „Siggi, sag mal wer war denn bei deiner Wahl eigentlich die Alternative?“. „Tschüss“ sagt Siggi und wankt zur Tür. „Aber mir bist du immerhin noch lieber als gar kein Saufpartner.“ – rufe ich hinterher – „Ich gehe auch nach Hause. Wegen euch muss ich ja mit Ende 20 noch arbeiten. Bis Donnerstag.“