Die Antifaschistische Linke Berlin (‪#‎ALB‬) löst sich auf. Und man weiß nicht so ganz genau, was man davon halten soll.

Die ALB war sicher nie ein Wegbereiter politischer Konzepte denen man in Gänze ohne Vorbehalt zustimmen konnte. Punktuell konnte man das aber umso mehr. Seien es die kontinuierlichen Proteste gegen Naziaufmärsche, die Sozialproteste z.B. in Heiligendamm oder Blockupy. In der öffentlichen Wahrnehmung waren das sichtbare Protestformen die konkret waren und auf der Straße stattfanden. Zu den Theorien und Strategien die damit einher gingen kann man geteilter Meinung sein. Fest aber steht, dass die ALB präsent war und Diskurse befeuert hat. Dass sie dabei polarisiert hat ist dabei eher ein Vorteil – und natürlich auch ein ganzes Stück Selbstverständnis.
Die ALB war eine erwartbare Größe innerhalb der Linken. Radikal – im Sinne von “ganz und gar”. Das sollte auch so sein. Sie war damit auch ein Maß, denn Sie hat radikal Positionen abgesteckt die nicht selten auch der innerparlamentarischen Politik und den Medien eine Orientierung boten.

Doch die ALB hat sich nicht nur als fester Bestandteil von Straßenprotesten, sondern auch als Konzeptschmiede gesehen. Und diese Konzepte sind es, die – so kann man es dem Auflösungsschreiben entnehmen – nicht mehr auf einen Nenner gebracht werden konnten. Protestformen sind facettenreicher geworden, Organisationsformen haben sich stark verändert und die Kapitalismuskritik als solche ist weitere Teile der Gesellschaft vorgedrungen – mit höchst unterschiedlichen Gegenvorschlägen. Wo sich die Linke dabei anschließt und wo sie sich abgrenzt bzw. bereit ist tradierte Muster zu überdenken kann als generelles Problem gesehen werden das auch vor der ALB nicht halt gemacht hat.
Im Auflösungsschreiben wird das auch sehr offen als Grund angeführt.

Ob linke Ideen ein Ziel sind, für das gekämpft wird oder eher ein Prozess den man lebt – das ist eine Frage (aber sicher nicht die einzige) die vor allem auch die Identifikation einer ganzen Szene berührt. Proteste verlangen immer auch nach Gegenvorschlägen und diese dürfen zwar konsequent sein müssen aber eben auch zum Zeitgeist passen. Dieser Spagat war immer schon eine der größten Herausforderungen für die Linke. Ein Lösung scheint man innerhalb der ALB nicht gefunden zu haben. Antifa in der Krise heißt es nun. Dabei kommt es aber auf den Blickwinkel an. Strukturen die feststellen, dass sie so nicht mehr funktionieren begreifen den Zustand als Krise. Schlimm ist das aber nicht – denn es zeigt auch Veränderung.

Das Protestformen und deren Organisation neu erfunden werden müssen ist seit langem deutlich. Wie diese aussehen können, das wird sich zweifelsohne zeigen.
Insofern ist die Auflösung der ALB in ihrer jetzigen Form nur konsequent. Auch wenn damit die Akzente eines im besten Sinne streitbaren und bisweilen dauerhaft präsenten Akteurs in der politischen Landschaft fehlen werden.