Die Technische Universität Dresden hat sich dem Phänomen „Pegida“ angenommen und im Dezember 2014 so wie Januar 2015 ca. 400 Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen befragt.

Das Ergebnis ist nicht überraschend, belegt aber nun mit Zahlen was viele bereits vermutet haben. Die meisten Demonstranten gehen, anders als von Pegida propagiert, eher aus einer allgemeinen Unzufriedenheit heraus auf die Straße.

Ich habe mir die Ergebnisse mal genauer angesehen.

Richten sich die Pegida-Demonstranten hauptsächlich gegen die so genannte „Islamisierung des Abendlandes“?

Nein.

Nur 15 Prozent geben an Vorbehalte gegen Zuwanderern und Asylbewerbern zu haben. Dagegen beteiligen sich 54% aufgrund von Unzufriedenheit mit der Politik im Allgemeinen. Das beinhaltet allerdings auch Aspekte wie „Asylpolitik“ oder „Integrationspolitik“. Am stärksten ist aber die empfundene Distanz zwischen „Volk und Politikern“ ausgeprägt. 20% wollen Kritik an den Medien üben denen sie mehrheitlich eine einseitige Berichterstattung vorwerfen. Allgemeine Vorbehalte gegen Asylbewerber und Immigranten sind jedoch durchaus ein gemeinsamer Nenner der zumindest kein Grund darstellt nicht an den Demonstrationen teilzunehmen.

Beteiligen sich hauptsächlich Menschen an den Pegida-Demonstrationen die aus sozial schwachen Teilen der Gesellschaft kommen bzw. finanziellen Nöten ausgesetzt sind?

Nein.

39% der Befragten verdienen mehr als 1500 Netto im Monat und 24% verdienen ca. 1100 EUR Netto im Monat. Nur 13% der Pegida-Demonstranten haben lediglich 800 EUR oder weniger im Monat zur Verfügung.

Pegida-Demonstranten kommen aus den Lagern rechter Parteien.

Ja und nein.

Immerhin 30% der Demonstranten sind rechtskonservativen bzw. rechten Parteien wie CDU (9), AfD (17) oder NPD (4) zuzurechnen. Nur 6% geben eine Verbundenheit mit SPD, Grüne, FDP oder der Linken an. 61% geben allerdings gar keine Parteiverbundenheit an. Das korrespondiert jedoch mit der allgemeinen Politik-Unzufriedenheit der Pegida-Anhänger. Pegida könnte sich jedoch zu einem außerparlamentarischen Arm der AfD entwickeln. Bereits jetzt erfährt die Bewegung deutliche Unterstützung aus den Reihen der AfD. Pegida wiederum kann parlamentarische Unterstützung gebrauchen. Eine langfristige Zusammenarbeit könnte durchaus im Interesse beider Seiten sein. Das setzt jedoch ein langfristiges Bestehen von Pegida voraus.

Pegida ist ein bundesweites Phänomen.

Nein.

Eine Beteiligung von ca. 20.000 Menschen gibt es nur bei den Pegida-Demonstrationen in Dresden. Gleichzeitig ist Dresden die einzige Stadt in der bisher mehr Pegida-Anhänger als Gegner auf die Straße gehen. In allen anderen Städten gehen mittlerweile meist mehrere tausend Pegida-Gegener gegen wenige hundert Pro-Pegida-Demonstranten auf die Straße.

Pegida ist eine geschlossene Bewegung mit klaren Zielen und geeinten Mitgliedern.

Nein.

Die Untersuchung zeigt, dass die von den Pegida-Organisatoren hochgehaltenen Ziele nur von einem geringen Teil der Demonstranten mitgetragen werden. 77% erwähnen das Pegida-Haupttehma „Islamisierung“ oder „Islam“ nicht einmal. Die Motivation der Teilnehmer ist diffus und setzt sich aus verschiedenen Ängsten und Unsicherheiten zusammen. Nichtsdestotrotz zeigt dies jedoch, dass die viele Teilnehmer den klar fremdenfeindlichen Hintergrund der Bewegung nicht als Problem ansehen und unter diesem Banner mit marschieren. Eine Offenheit für Rechtspopulismus kann also durchaus unterstellt werden.

Fazit:

Die Pegidabewegung ist hauptsächlich ein lokales Phänomen in Sachsen und bietet offensichtlich eine Plattform für allgemeine Unzufriedenheiten mit den unterschiedlichsten Teilen der Gesellschaft. Die meisten Teilnehmer sind mittleren Alters und haben ein durchschnittlich gutes Einkommen.

Es wird deutlich dass die Pegida-Bewegung alles andere als eine gefestigte Bewegung ist. Vielmehr handelt es sich um ein Sammelsurium von Menschen die Ihren Ängsten und Enttäuschungen Ausdruck verleihen wollen. Die Gemeinsamkeit ist eine Offenheit für rechte Ideen. Die demographische Zusammensetzung und die Tatsache, dass sich die Bewegung fast nur in Sachsen  behauptet zeigt, dass die Mehrheit der Teilnehmer weder mit dem angegebenen Thema „Sorge um hohe Kriminalität von Asylbewerbern“, „Muslimen im Allgemeinen“ oder „Angst vor sozialökonomischer Benachteiligung“ jemals in Berührung gekommen sind.

Vielmehr sehen die Teilnehmer Pegida offenbar als Chance ihre diffusen Ängste zu kanalisieren. Ob sich daraus ein langfristiges Bestehen der Bewegung bewerkstelligen lässt ist mehr als fraglich.

Zumal Pegida mittel- und langfristig keine Lösungen für die Sorgen der Teilnehmer aufzeigen kann. Politische Prozesse werden immer kompliziert bleiben und in Kompromissen enden. Das ist in einer komplexen und pluralistischen Gesellschaft gar nicht anders möglich. Die Forderungen von Pegida lassen aber erkennen, dass dafür entweder kein Verständnis besteht oder aus Marketing-Gründen propagiert wird was die Teilnehmer hören wollen. Ein Beispiel dafür sind absurde Forderungen wie die „Pflicht zur Integration“.

Ich persönlich räume Pegida keine lange Halbwertszeit ein. Allerdings ist die Bewegung auch ein Zeichen dafür, dass Fremdenfeindlichkeit nach wie vor schwelt und nicht ignoriert werden darf.

Außerdem scheint es der Politik nicht mehr flächendeckend zu gelingen komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen. Ein Teil der Menschen kann den politischen Entwicklungen offenbar nicht mehr folgen und es entwickelt sich Argwohn und eine kategorische Protesthaltung. Sicher zollen hier auch die Versäumnisse in der Asyl- und Integrationspolitik ihren Tribut. Dafür werden von Pegida jedoch paradoxerweise gerade Asylbewerber und Immigranten als Sündenböcke angeboten. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sich auch die Spitze der Bewegung wahrscheinlich auch in Zukunft keinem differenzierten politischen Diskurs stellen wird.